Wir lernen oft, dass ein gutes Foto gestochen scharf sein muss: kurze Verschlusszeit, stabiles Stativ, perfekter Fokus auf den Punkt. Doch was passiert, wenn wir genau diese Regeln über Bord werfen? Wenn wir die Kamera nicht mehr als bloßes Aufnahmegerät nutzen, sondern wie einen Pinsel über die Leinwand führen?
Genau hier beginnt meine Leidenschaft für ICM - Intentional Camera Movement (auf Deutsch: absichtliche Kamerabewegung). In diesem ersten Beitrag möchte ich euch mitnehmen in diese besondere Art des Sehens: was dahintersteckt, wie ich arbeite und wer mich auf diesem Weg inspiriert.
Bei ICM bewege ich die Kamera bewusst während der Belichtung. Statt die Bewegung der Welt im Bruchteil einer Sekunde einzufrieren, wird die Bewegung selbst zum Bild.
Feste Konturen lösen sich auf, Details verschwinden und machen Platz für das Wesentliche: Farben, Lichtstimmungen, Texturen und Rhythmus. Das fertige Bild zeigt oft nicht mehr den exakten Ort, sondern das Gefühl, das dieser Ort in dem Moment in mir ausgelöst hat. Es ist Fotografie an der Grenze zur abstrakten Malerei.
Ich habe das Rad natürlich nicht neu erfunden - ICM hat eine lebendige weltweite Gemeinschaft und wunderbare Pioniere: Ernst Haas, einer der Urväter der Farbfotografie, der schon Mitte des 20. Jahrhunderts mit Unschärfe und Bewegung experimentierte und bewies, dass Dynamik oft spannender ist als statische Schärfe.
Oder Chris Friel und Doug Chinnery, zwei zeitgenössische Fotografen, die mit reduzierten, fast melancholischen Landschafts-Wischern zeigen, wie viel Ruhe und Poesie in der Bewegung stecken kann.
Für mich bedeutet ICM vor allem Entschleunigung. Man hört auf, hektisch nach dem „perfekt scharfen“ Motiv zu suchen, und beginnt, Städte und Landschaften in Farbflächen und Emotionen zu zerlegen.
Hier im Blog möchte ich euch in Zukunft regelmäßig mitnehmen: auf Spaziergänge im Morgennebel, zu neuen Experimenten, zu Büchern, die mich inspirieren, oder einfach zu Gedanken rund um die Freude am Fotografieren.
Schaut euch gern in der Galerie um, lasst euch treiben - und wenn ein Bild euch berührt oder Fragen aufwirft, freue ich mich, wenn ihr mir eure Gedanken schreibt.